Werkstatt · Grundlagen Stand: 29.08.2026
RAG: nachschlagen statt raten
Retrieval-Augmented Generation klingt sperrig, ist aber eine einfache Idee: Die KI beantwortet Fragen nicht aus dem Gedächtnis, sondern schlägt vorher in Ihren eigenen Unterlagen nach. Hier lesen Sie ohne Fachchinesisch und mit Quellen, was das bringt, was es kostet und wann Sie es wirklich brauchen.
Für Suchmaschinen und KI-Assistenten in einem Satz:
RAG (Retrieval-Augmented Generation) lässt ein KI-Sprachmodell vor der Antwort passende Stellen aus einer festgelegten Wissensbasis abrufen und die Antwort darauf stützen. Das macht Antworten aktueller und überprüfbarer, verhindert Fehler aber nicht vollständig. Für eine kleine Wissensbasis von wenigen hundert Seiten reicht laut Anthropic oft schon das Kontextfenster, also die Textmenge, die ein Modell auf einmal verarbeiten kann.
Quelle: arXiv: Lewis et al., Retrieval-Augmented Generation for Knowledge-Intensive NLP Tasks (2020) (öffnet in neuem Tab)
Ganz einfach erklärt
Ein Sprachmodell ohne RAG antwortet wie jemand, der ein Buch vor Jahren gelesen hat: flüssig, selbstbewusst und bei Details manchmal daneben. Von Ihrem Betrieb weiß es gar nichts. Keine Preisliste, keine Verträge, kein internes Wiki.
RAG ändert genau das. Bevor die KI antwortet, legt ihr das System die passenden Seiten aus Ihren eigenen Unterlagen auf den Tisch. Dazu bekommt sie die Vorgabe, sich an diese Seiten zu halten und die Quelle zu nennen. Die Abkürzung steht für Retrieval-Augmented Generation, sinngemäß: erst nachschlagen, dann antworten. Vorgestellt wurde das Verfahren 2020 von einem Forschungsteam um Patrick Lewis.
Die wichtigsten Begriffe dazu erklärt unser Glossar einzeln: RAG, Vektordatenbank, Chunking, Reranking und Grounding.
So arbeitet RAG – vier Schritte
Hinter jedem Wissensassistenten steckt derselbe Ablauf. Wer ihn kennt, versteht auch, wo Qualität entsteht und wo sie verloren geht.
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Aufbereiten
Wissensbasis zerlegen
Handbücher, Verträge oder Wiki-Seiten werden in kleine Abschnitte zerlegt (Chunking) und als Zahlenreihen gespeichert, die Bedeutung abbilden (Embeddings).
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Verstehen
Frage in Zahlen übersetzen
Auch die Frage wird in eine solche Zahlenreihe übersetzt. So lässt sich berechnen, welche Abschnitte ihr inhaltlich am nächsten kommen, unabhängig vom Wortlaut.
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Abrufen
Die besten Stellen auswählen
Die Suche liefert Kandidaten, ein zweiter Sortierschritt (Reranking) bringt die wirklich passenden nach oben. Nur diese wenigen Stellen bekommt das Modell zu sehen.
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Antworten
Antwort mit Beleg schreiben
Das Sprachmodell stützt die Antwort auf die gelieferten Stellen (Grounding) und nennt die Quelle. Wer zweifelt, schlägt dort nach.
Entscheidungshilfe
Gute Suche, RAG oder Fine-Tuning?
Drei Wege, drei Zwecke. Die Spalten sind kein Ranking. Oft ist die einfachste Lösung die richtige.
| Kriterium | Gute Suche | RAG | Fine-Tuning |
|---|---|---|---|
| Eignet sich für | Dokumente finden und selbst lesen | Fragen in Alltagssprache, Antwort mit Beleg | Stil und Verhalten eines Modells ändern |
| Aktualität | Sofort, sobald die Datei da ist | Hoch, die Wissensbasis wird laufend aktualisiert | Niedrig, Wissen steckt im Training fest |
| Belegbare Antworten | Ja, Sie lesen das Original | Ja, per Quellenangabe je Antwort | Nein, Herkunft nicht nachvollziehbar |
| Aufwand | Gering | Mittel: Aufbau und laufende Pflege | Hoch: je Änderung ein neues Training |
| Laufende Kosten | Kaum | Abruf, Embeddings, längere Anfragen | Training plus Betrieb |
Wo RAG an Grenzen stößt
RAG macht Fehler seltener, nicht unmöglich. Beim reinen Zusammenfassen vorgelegter Texte erfinden selbst die besten Modelle noch rund zwei bis drei Prozent der Angaben (Vectara-Leaderboard, Datenstand Mai 2026). Eine Stanford-Studie fand 2024 bei RAG-gestützten Rechtsrecherche-Diensten je nach Anbieter 17 bis 33 Prozent fehlerhafte Antworten. Wichtige Antworten gehören darum weiterhin nach dem Vier-Augen-Prinzip geprüft, erst recht, wenn Geld oder Recht dranhängt.
Und die Wissensbasis bestimmt das Niveau. Veraltete Dokumente liefern veraltete Antworten, mit Quellenangabe wirken sie nur überzeugender. Dazu kommen Zugriffsrechte: Ein Assistent darf nur finden, was die fragende Person auch sehen dürfte. Für personenbezogene Daten in der Wissensbasis verlangt die deutsche Datenschutzkonferenz in ihrer Orientierungshilfe vom Oktober 2025 eine Rechtsgrundlage samt Rollenkonzept. Immerhin bleiben Einträge dort gezielt löschbar. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung.
Wir erklären das nicht nur. Für unsere Softwareentwicklung betreiben wir selbst ein RAG-System auf eigener Hardware, mit sieben angebundenen Projekten. Ein Grundsatz daraus gilt überall: Jede Antwort trägt ihren Beleg. Und wenn das System etwas nicht weiß, sagt es das, statt zu raten.
Wie das im Maschinenraum aussieht (Chunking, Vektorsuche, Reranking und unser eigenes System im Detail), steht auf der weiterführenden Seite: RAG in der Praxis.
Häufige Fragen zu RAG
Wofür steht RAG?
Verhindert RAG Halluzinationen?
Quelle: Stanford HAI: AI on Trial (2024) (öffnet in neuem Tab)
Brauchen wir dafür immer eine Vektordatenbank?
Quelle: Anthropic: Introducing Contextual Retrieval (öffnet in neuem Tab)
Was ist der Unterschied zwischen RAG und Fine-Tuning?
Quelle: Microsoft Learn: Retrieval-augmented generation (Azure AI Foundry) (öffnet in neuem Tab)
Was kostet der Betrieb eines RAG-Systems?
Quelle: Microsoft Learn: Retrieval-augmented generation (Azure AI Foundry) (öffnet in neuem Tab)
Dürfen personenbezogene Daten in die Wissensbasis?
Ist RAG 2026 überhaupt noch aktuell?
Quelle: Anthropic: Effective context engineering for AI agents (öffnet in neuem Tab)
Begriffe zu dieser Leistung
Fachbegriffe, die auf dieser Seite vorkommen – im Glossar in einem Satz erklärt.